Wappen Sur (GR)

 

Wappen Marmorera (GR)

 

 

Sur (GR) - Alp Flix - Naturpark Ela

Marmorera

 
     

Geschichte von Marmorera

Die Schlossruine der Herren von Marmels östlich des Staudammes ist Zeuge der Vergangenheit. Urkundlich belegt erscheint Marmorera erstmals im Reichsgüterurbar des Jahres 831. Im Jahre 1160 wird erwähnt, dass Ulrich II. von Tarasp dem Bischof Adalgott zu Chur die "Wida" von Marmels mit ihren Kindern, Hab und Gut schenkte.

Bis zum Jahre 1851 bildete Bivio und Marmels das Gericht Stalla, das mit den Gerichten Avers und Remus zu einem Hochgericht vereinigt waren. Aus Hexenprozessen von ca. 1650 sind Einzelsiedlungen im früheren Talbecken nachweisbar wie Spliatsch, Foppa und Castigl.

Heute besteht Marmorera aus zwei Siedlungen. Castiletto, unterhalb des Staudammes und Marmorera-Dorf, oberhalb des Stausees gelegen. Im Jahre 1799 wurden Marmorera und Bivio von den Truppen Napoleons schwer heimgesucht.

Landschaft

Marmorera nimmt einen Teil des obersten Abschnitts des von der Gelgia (Julia) durchflossenen Oberhalbsteins eine rhätische Quertalung, die als Julierpassroute eine besondere Bedeutung erlangte und noch besitzt. Dieses Gebiet mit den Gemeinden Sur und Mulegns wird als "sur got", ob dem Tinzenerwald bezeichnet.

Eingebettet in die penninische Plattadecke, im Osten durch Elemente der ostalpinen Err-Decke überlagert ist das Gemeindegebiet. Das breite Becken von Alt-Marmorera entstand durch alluviale Ablagerungen und ideal für den Bau eines Stausees.

In klimatischer Hinsicht zeigt Marmorera alle Merkmale alpiner Natur: nebelarm, sonnig und heiter, verursacht durch die Talwinde.

Verkehr und Wirtschaft

Die Beschäftigung mit dem Passverkehr war wahrscheinlich schon zu Römerzeit, sicher aber im Mittelalter ein wichtiges Element im Wirtschaftsgefüge Marmorera. Der Porten- und später der Fuhrverkehr sicherten einen zusätzlichen Erwerb.

Durch einen Vertrag um 1387 zwischen Jakob von Castelmur und dem Bischof Johann von Chur und Graf Rudolf von Montfort wurde die Castelmur'sche Strasse erbaut. Die "vea viglia", auf dem Boden der Gemeinde von "Punt Sgartatsch" dem Osthang folgend, an Cresta vorbei Stalveder und Bivio erreichend.

Die Marmorerer beteiligten sich an der mittelalterlichen "Port von Bivio" und damit sicher auch einen gewissen Wohlstand einiger Familien begründet. Den grössten Nutzen und somit eine merkliche Hebung des Wohlstandes verdanken die Vorfahren dem Passverkehr von dem Zeitpunkt an, da der Julier zur leistungsfähigen Passstrasse wurde. Die Stärkung der Wirtschaft drückt sich auch darin aus, dass die Bevölkerungszahlen zwischen 1835 und 1888 dauernd über 150 standen.

Ursache für den späteren Rückgang war der neu aufgekommene Eisenbahnverkehr. Mit der Eröffnung der Albulalinie im Jahre 1904 war das wirtschaftliche Gleichgewicht gestört. Marmorera wurde ein Emigrantendorf. Viele Leute wanderten in alle Kontinente aus. Dass auch in der Ferne die Heimat nicht vergessen wurde belegen die vielen Geld- und Naturalhilfen, die Ausgewanderte ihren Angehörigen und dem Dorf spendeten.

Eine Zäsur in der Geschichte des Dorfes war die Abstimmung am 17. Oktober 1948 im Restaurant Julier: Die Konzessionserteilung an die Stadt Zürich zum Bau eines Stausees. Das Resultat war für viele schmerzlich. Es darf aber nicht übersehen werden, dass mit dem Bau die ganze Talschaft Nutzen daraus zog.

>Ein Dorf geht unter

Stausee / Wasserkraft

Der Marmorera-Staudamm wurde in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut. Ziel war und ist es, die Stadt Zürich mit Energie zu versorgen.


Marmorera-See heute (Blick nach Norden)


Dorf Marmorera vor dem Bau der Staumauer (Blick nach Norden)


Marmorera früher

Kultur

Der Schutzpatron der Gemeinde ist St. Flurinus. Die alte Kirche im alten Dorf wurde im Jahre 1665 im romanischen Stil erbaut. Die neuere Kirche im barocken Stil entstand in den Jahren 1882 - 84. Kirchturm und Pfarrhaus aus dem Jahre 1756 waren an den beiden Kirchen angebaut.

Das Wappen der Gemeinde bestand bis zum zweiten Weltkrieg 1939 - 45 aus einem weissen und schwarzen Feld. Während des Krieges hat Professor Nigg als Heraldiker den weissen Kelch auf schwarzem Grund hinzugefügt in Anlehnung an die Legende des St. Flurinus, der bei einer Hochzeit Wein vermehrte. Die Legende ist in der neuen Kirche als Mosaik zu besichtigen.

Als ein berühmter Marmorerer gilt unser Pader Alexander (1880-1953). Getauft wurde er auf den Namen Constantin. Mit 20 Jahren trat er ins Kloster ein und nannte sich fortan Alexander. Er lebt in uns weiter als Poet, Kapuziner, Pfarrer Custos von Ziteil und Jäger.